Ich kann ganz schön fuchsig werden, wenn mal eine meiner Computer-Routinen einen Störfall hat. Mein menschliches und routinenverwöhntes Hirn hat dann Schluckauf; ich werde aus dem Schlafwandlermodus meiner Aktionen gerissen. Etwas ist anders als sonst, quasi als ob nach „Copy“ nicht mehr „Paste“ kommt. Sondern nichts. NICHTS!
Routinen – oh, ich hab mich so an euch gewöhnt.
Ich weiß: Routinen sind an sich sinnvoll und machen das Leben leichter, denn sie sind ja Abkürzungen, die der Mensch sich mühevoll erarbeitet hat, deren Anwendung aber mit der Zeit und wiederholtem Gebrauch immer weniger Energie braucht. Das Hirn läuft irgendwann sozusagen im Autopiloten: Zähneputzen, Schuhe binden oder Autofahren sind solche mehr oder minder komplexe Aktivitäten, die wir gelernt haben und nun „wie im Schlaf“ beherrschen. Wir müssen nur noch wenig bis gar nicht bewusst darüber nachdenken. Wir können sogar Fernsehen beim Zähneputzen, Musik hören beim Autofahren, uns mit dem Beifahrer unterhalten und gleichzeitig die Spur wechseln. Nur Schuhe binden während wir die Fahrbahn wechseln – das wird schwierig…
Routinen sind gut, weil alles daran „bekannt“ ist – im Gegensatz zu „unbekannt“, denn dahinter könnte sich ja ein herabstürzender Felsen, ein angreifender Tiger oder eine virenverseuchte Email verbergen.
Da der Mensch von Natur aus ein fauler Sack ist, freut er sich, wenn er mittels Routinen Energie spart. Reserven und Hirnkapazitäten hat er dann frei für Dinge/Ereignisse, die überraschend eintreten und erst einmal bewusst entschlüsselt werden müssen. Beim Entschlüsseln überprüfen wir, ob diese neuen Dinge gefährlich oder ungefährlich sind (siehe Felsen, Tiger, Email). Das ist kognitive und fokussierte Arbeit. Das ermüdet.
Deshalb freut sich der Mensch (vor allem der digitale) über Addons im Browser. Addons sind programmierte Routinen, die die Funktionalität des Browsers erweitern. Sie nehmen dem Nutzer mühevolle (und energiefressende) Kleinarbeit ab, und zwar auf einen Klick. Ganz automatisch, einfach so. Ohne Programmierkenntnisse. Man muss nur wissen, wie die Addons zu installieren sind. Aber auch das hat man schnell gelernt und alles wird – genau – zur Routine.
Wenn aber plötzlich die Klickroutine am PC stockt, wenn man aus dem schläfrigen Zustand der eingefahrenen Wege herausgerissen wird, dann ist das ein energiehungriger digitaler Störfall. Definitiv.
Ein Beispiel? Seit Jahren benutze ich gerne und oft das Addon SeoQuake (hier der Link zur Webseite und die Addon-Page auf Mozilla.
Mit SeoQuake ist die Analyse von Webseiten hinsichtlich Meta-Angaben wie Title und Description ganz einfach. Mit dem Addon kann ich die Keyworddichte eines Webtextes herausfinden und überprüfen, ob der Content auf bestimmte Keywords optimiert ist. Ob die Hauptüberschrift H1 mit Keywords besetzt ist, wie der PageRank ist, Whois, die Anzahl der Facebook-Follower usw… SeoQuake ist das Schweizer SEO-Messer für den Firefox. Und essenzieller Bestandteil meiner liebsten Routinen am PC.
Doch nach einem Firefox-Update (oder war es nach der Installation der vertikalen Toolbar?) war die Welt nicht mehr so wie sie mal war. Denn das, was eben noch da war, war weg. Die Symbolleiste von SeoQuake im Firefox? Weg. Der SeoQuake-Button zur Diagnose von Websites? Verschwunden. Der Eintrag im „Extra“-Menü? Nicht mehr da.
Von Routine zu WTF in Nullkommanix.
Verschiedene Abhilfen schafften keine Abhilfe. Eine Neuinstallation von SeoQuake brachte nix. 12 andere Dinge habe ich probiert, nichts hat geholfen.
Aber da das Addon einen Support bietet, informierte ich diesen über meinen Störfall.
Die Antwort: „In future versions of Firefox there will not be support of toolbars at all, so we decided to prepare for this change.“ Aha. Das heißt also Abschied nehmen von der Toolbar, in zukünftigen Versionen des Firefox. Hoffentlich dann mit etwas Vorwarnung…
Und die Lösung für mein Problem? „In the meantime, you can use an older version, however. Here’s the link for it.“ Und tatsächlich. Die SeoQuake Version 2.8.17 läuft auch im neuesten Firefox 44.0.
Ich bin dann mal wieder bei meiner Routine.